Es gibt Orte am Gardasee, die in einer anderen Dimension zu existieren scheinen — wo die Zeit langsamer vergeht und die moderne Welt nur schwer Einlass findet. Punta San Vigilio ist einer davon. Eine kleine Halbinsel, die sich dort ins Wasser erstreckt, wo der See am breitesten und offensten ist, eingehüllt in jahrhundertealte Zypressen und Olivenbäume, mit einem stillen kleinen Hafen und einer Locanda, die seit über sechshundert Jahren Reisende empfängt. Wer hier zum ersten Mal ankommt, erlebt fast immer dasselbe: einen tiefen Atemzug und das Gefühl, genau dort angekommen zu sein, wo man sein wollte. Und all das liegt nur wenige Kilometer von Torri del Benaco entfernt.

Von den römischen Ursprüngen bis zur Renaissance
Die Geschichte von Punta San Vigilio reicht weit in die Antike zurück. Das Vorgebirge war bereits in der Römerzeit bewohnt, und sein Name geht vermutlich auf den heiligen Vigilius zurück, Bischof von Trient, der im ausgehenden vierten Jahrhundert diese Ufer bereiste, um die Menschen am See zum Christentum zu bekehren. Der entscheidende Wendepunkt kam im sechzehnten Jahrhundert, als der venezianische Rechtsanwalt und Humanist Agostino Brenzoni diesen Landstreifen als Ort der Ruhe und des Studiums wählte und den Entwurf der Villa dem großen veronischen Architekten Michele Sanmicheli anvertraute — demselben, der die berühmten Befestigungsanlagen der Venezianischen Republik erbaute. So entstand Villa Guarienti: eine schlichte, elegante Residenz inmitten eines italienischen Gartens, die noch heute den Grafen Guarienti di Brenzone gehört und von ihren Nachkommen bewohnt wird.
Die Locanda, die Kapelle und die berühmten Gäste
Neben der Villa, entlang einer schmalen Kopfsteinpflastergasse, die zum Hafen hinunterführt, befinden sich die Locanda San Vigilio und die alte dem Heiligen geweihte Kapelle. Über dem Eingangsbogen zum Ort begrüßt eine Marmorplatte die Besucher mit einer Einladung, die nichts von ihrer Aktualität verloren hat: „Lasst Geschäfte und Sorgen in der Stadt." Im Laufe der Jahrhunderte folgten diesem Rat außergewöhnliche Gäste: Napoleon III., Zar Alexander II., Winston Churchill — der hier, vom Anblick des Sees begeistert, seine Aquarelle malte —, Laurence Olivier, Vivien Leigh und in jüngerer Zeit König Karl III. von England. Bemerkenswert für eine Halbinsel von wenigen Hektar.

Die Baia delle Sirene: Das schönste Bad am Gardasee
Auf der Nordseite der Halbinsel öffnet sich die Baia delle Sirene — die Bucht der Sirenen — einer der eindrucksvollsten Abschnitte des gesamten Veronese-Ufers. Ein Strand, eingebettet in einen Park aus Oliven- und Zypressenbäumen, mit dem kristallklaren Wasser des Gardasees, das zum Eintauchen einlädt, und einem Blick, der den gesamten mittleren Teil des Sees umfasst. Der Eintritt ist kostenpflichtig — eine bewusste Entscheidung, die die Besucherzahlen begrenzt und jene Ruhe bewahrt, die diesen Ort so besonders macht. Im Juli und August, bei hochstehender Sonne und angenehm warmem Wasser, ist es schlicht einer der schönsten Orte zum Baden.

Punta San Vigilio liegt nur wenige Kilometer südlich von Torri del Benaco und ist mit dem Fahrrad entlang der Seestraße, mit dem Auto oder — am schönsten — mit dem Boot erreichbar, direkt am kleinen Hafen anlegend, wie es die Reisenden einst taten. Fragen Sie an der Rezeption: Wir helfen Ihnen gerne, den besten Weg dorthin zu finden und verraten Ihnen, was Sie bei Ihrer Ankunft nicht verpassen sollten. Denn Punta San Vigilio ist nicht nur ein Ausflugsziel — es ist ein Erlebnis, das man, einmal erlebt, immer wieder erleben möchte.

